Der Vesuv will erobert werden.
Die letzten eineinhalb Kilometer bis zum Gipfel müssen zu Fuß bewältigt werden. Vorher quälen sich die
Ausflugsbusse endlos über Serpentinen.
Bilder: Bernadette Lenzenweger
Wer hier Obst und Gemüse
anbaut, kann auf zusätzlichen
Dünger verzichten und trotz-
dem mehrmals jährlich ernten.
Und so kommen rund 80 Pro-
zent aller in Italien verarbeite-
ten Paradeiser aus dieser Regi-
on.
Wie mächtig der Vesuv sein
kann, zeigt wenige Kilome-
ter südlich des Bergfußes die
Ruinenstadt Pompeji. In die-
ser griechisch-römischen Ha-
fenstadt haben mehr als 20.000
Menschen gelebt. Bis 79 n. Chr.
der Vesuv drei Tage lang Lava
rinnen und Asche regnen ließ.
Als Tage später endlich wieder
das Tageslicht durch die völlig
verdunkelte Luft dringen konn-
te, war von der einst blühenden
Stadt nichts mehr zu sehen.
Mehr als zehn Meter hoch lag
die Asche und hatte alles unter
sich begraben.
Mitte des 18. Jahrhunderts ha-
ben Experten damit begonnen,
die verschüttete Stadt wieder
frei zu legen. Heute ist Pompe-
ji weltweit eine der am besten
erhaltenen antiken Stadtruinen
und ermöglicht uns eine ziem-
lich genaue Vorstellung davon,
wie die Menschen dort vor
rund 2.000 Jahren gelebt ha-
ben. So gab es eine riesige zen-
trale Markthalle, die Rechts-
sprechung spielte sich in Form
von öffentlichen Prozessen in
der Basilika ab und das Forum
befindet sich inmitten der Alt-
stadt. Zunächst hatte das Fo-
rum auch eine wichtige Funk-
tion als Versammlungsort, aber
seit dem Bau des ersten Thea-
ters wurden die Volksversamm-
lungen dort abgehalten. Auch
über die sexuellen Gewohn-
heiten der Bevölkerung geben
die Ruinen Auskunft. Das eins-
tige Bordell ist noch gut erhal-
ten und über den Eingängen zu
den einzelnen Zimmern, in de-
nen die Liebesdienerinnen ih-
re Kundschaft erwarteten, sind
bunte Fresken zu sehen. Daran
ist nur unschwer zu erkennen,
was die Spezialität der auser-
wählten Damen war und wie-
viel der Spaß kostete.
Wer die mittelitalienische
Provinz Kampanien mit sei-
ner Hauptstadt Neapel besucht,
kommt um eine Besteigung
des Vesuvs und einen Gang
durch die Ruinenstadt Pompeji
nicht herum und sollte sich da-
für mindestens einen Tag Zeit
nehmen. Die ideale Jahreszeit
für einen Besuch dieser Regi-
on ist Frühjahr oder Herbst. Da
ist es nicht so heiß und die Ita-
liener haben keine Ferien. Wer
sich zudem auch noch für einen
Ausflug nach Capri oder für ei-
ne Fahrt entlang der Amalfiküs-
te entscheidet, macht nicht nur
Bekanntschaft mit einem Itali-
en wie es typischer nicht sein
könnte. Er kann sich selbst im
Spätherbst noch im bacherlwar-
men Meer verwöhnen und sich
so den Sommer verlängern...
Rupert Lenzenweger
Durch´s Lavagestein
führt der Fußweg vom Busparkplatz weg hi-
nauf auf den Vesuv.




